Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Ablauf des Ersatzneubaus der ersten Levensauer Hochbrücke

Querschnittsplan des Ersatzneubaus der ersten Levensauer Hochbrücke (Stand 2019) Querschnitt Ersatzneubau erste Levensauer Hochbrücke Querschnittsplan des Ersatzneubaus der ersten Levensauer Hochbrücke (Stand 2019) Quelle: WSA Kiel-Holtenau

Der Fachbereich Investitionen NOK beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragt, alle notwendigen Schritte für Planung und Errichtung eines Ersatzneubaus zu übernehmen. Als außergewöhnliche Bauanforderung ist vor allem zu berücksichtigen, dass der Ersatzneubau in der vorhandenen Trasse unter weitgehender Aufrechterhaltung des Straßen- und Schienenverkehrs erfolgen muss. Die Sperrzeiten für die Kanalschifffahrt und den Eisenbahnverkehr sind hierbei auf ein Minimum zu begrenzen.

Hinzu kommt, dass sich in den gemauerten Widerlagern mit über 5.000 Tieren ein deutschland- und mitteleuropaweit bedeutendes Winterquartier für mehrere Fledermausarten befindet. Der Erhalt des südlichen Widerlagers ist daher aus Gründen des EU-Artenschutzes zu garantieren und war Voraussetzung für den gesamten Ersatzneubau. Im Rahmen des Fledermausschutzes sind Arbeiten am Widerlager lediglich in der Zeit von Mitte April bis Mitte September möglich. In dieser Zeit befinden sich die Fledermäuse überwiegend nicht in den Widerlagern.

Vorbereitende Maßnahmen

Seit 2018 werden wesentliche vorbereitende Maßnahmen zum Ersatzneubau der ersten Levensauer Hochbrücke durchgeführt. Zunächst wurde bis Juni 2019 das zwischen den südlichen Zufahrtsdämmen der ersten und zweiten Levensauer Hochbrücke gelegene Baufeld mit Baustraßen an die B 76 angeschlossen. Bereits 2018 wurde ein Düker durch den südlichen Zufahrtsdamm der ersten Levensauer Hochbrücke gebohrt, um Versorgungsleitungen aus dem Baufeld herauszunehmen.

Um das südliche Widerlager als eines der größten mitteleuropäischen Winterquartiere für zahlreiche Fledermausarten unter der neuen Brücke erhalten zu können, musste dieses saniert und Umbauarbeiten oberhalb des Ziegelsteingewölbes aus der Kaiserzeit vorgenommen werden. Im Zuge der Arbeiten wurden die Verkehrsflächen im Bereich des südlichen Widerlagers entfernt und der oberste Bereich des Widerlagers abgetragen. Anschließend wurden Straße und Bahngleis wieder hergerichtet sowie für Fußgänger und Radfahrer eine Behelfsbrücke eingesetzt. Die Arbeiten wurden außerhalb der Winterruhezeiten der Fledermäuse von April bis August 2019 ausgeführt.

Neben den durchgeführten Umbaumaßnahmen finden derzeit Arbeiten zur Sicherung des südlichen Widerlagers statt. Auch wenn das alte Widerlager keine statische Bedeutung für die neue Brücke hat, muss es trotzdem dauerhaft im Untergrund gesichert werden. Zunächst wurden Probeanker gesetzt, um daran mit Zugprüfungen die Wirksamkeit der Sicherung zu untersuchen. Neben dem Einsatz von Erdankern wird das Widerlager mit einer Tiefgründung gesichert. Sämtliche vorbereitenden Arbeiten sollen im Jahr 2022 abgeschlossen werden.

In der zweiten Jahreshälfte 2020 wurden eine Baustraße und eine Vormontagefläche am nördlichen Kanalufer errichtet. Mit der neuen Baustraßenführung wird der Ablauf des Baustellenverkehrs optimiert. Statt über die Straße „Am Kanal“ führt die Baustellenzufahrt so direkt von der Westseite des nördlichen Brückendamms ins Baufeld.

Weitere Schritte

Beginn der Arbeiten am Ersatzneubau
Nach Abschluss aller vorbereitenden Maßnahmen beginnen die eigentlichen Arbeiten für den Ersatzneubau mit Gründungsarbeiten für die südlichen und nördlichen Brückenböcke, auf denen das Mittelteil der neuen Brücke aufliegt. Anschließend werden die Fundamente der neuen Widerlager errichtet. Diese Arbeiten werden mit temporären Straßensperrungen einhergehen. Nach Abschluss der Gründungsarbeiten sind der Aufbau des neuen Mittelteils und der Abriss der alten Brücke geplant. Die vorgefertigten Großsegmente der neuen Brücke werden dann in einem durch den Eisenbahnverkehr und den Schutz der Fledermäuse vorgegebenen Zeitraum von 4,5 Monaten eingebaut, in dem die Brücke voll gesperrt ist.

Im Anschluss an diese Arbeiten wird die Fahrbahnplatte mit Fußgänger- und Fahrradweg, Schienenstrang und Straße für den Pkw-Verkehr fertiggestellt und die neue Brücke für den Verkehr freigegeben.

Technische Daten bestehende erste Hochbrücke Levensau und Ersatzneubau

Bestehende erste Hochbrücke LevensauErsatzneubau erste Hochbrücke Levensau
Baujahr 1894, Umbau 1955Beginn der vorbereitenden Arbeiten 2018
Fachwerkbogen mit orthotroper Fahrbahnplatte, offene Gleisfahrbahn auf HolzschwellenKombinierte Eisenbahn-Straßenbrücke, Zweigelenkbogen in Stahlbauweise mit durchschnittener Fahrbahn (orthotrope Fahrbahnplatte)
Stützweite 163 MeterStützweiten 28 – 182 - 31 Meter
Schienenweg eingleisig, Brückenklasse UIC 71Eingleisige Bahnanlage, Lastklasse LM 71 (Elektrifizierung optional berücksichtigt)
Straße Brückenklasse 30/30 DIN 1072, 2-spuriger Straßenquerschnitt mit Breite
= 2 x 3,00 Meter
Straße  Lastklasse LM 1, 2-spuriger Straßenquerschnitt mit Breite
= 2 x 3,50 Meter
Kombinierter Geh- und Radweg mit Breite = 2,50 MeterKombinierter Geh- und Radweg mit Breite
= 2,75 Meter