Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

24.11.2014: Ein Seeschiff kollidiert mit einem Schiebetor. Ausfall der großen Nordkammer.

Die betroffene Schleusenkammer konnte nach Einbau eines Reservetores der Schifffahrt bereits am 26.11.2014 (Mittwoch) ab 18:30 Uhr wieder zur Verfügung gestellt werden.

Von der Förde kommend ist am Montag (24.11.2014) gegen 11:45 Uhr beim Einlaufen in die große Nordkammer ein Seeschiff mit dem kanalseitigen Schleusenschiebetor kollidiert (Torbahn 1, siehe Übersicht, unten). Das Schiff ist 110 m lang, 17 m breit, rd. 8 m tief und 6.000 Tonnen schwer. Die Untersuchungen zur Unfallursache laufen... Der Bug des Schiffes hat eine außergewöhnliche Form (siehe Bilder, unten). Er verläuft auch unterhalb der Wasseroberfläche über den vollen Tiefgang des Schiffes gerade weiter nach unten. Daher ist der Schaden am Tor entsprechend groß (voraussichtlich > 1 Mio. Euro). Der Schiffsversicherer und das WSA werden sobald möglich gemeinsam das Tor inspizieren um die genaue Schadenshöhe am Tor festzustellen. Schäden am Schiff waren nicht zu erkennen. Es wurde auch niemand verletzt. Das Schiff wurde zur weiteren Untersuchung von zwei Schleppern aus der Schleusenkammer in den Kieler Hafen gezogen.

Bei der Kollision wurde die Führungsschiene (der sog. Abdruckbalken) am Tor auf rd. 12 Metern vom Bug des Schiffes eingedrückt. Das Tor lässt sich nicht mehr öffnen, es muss ausgebaut und durch ein vorhandenes Reservetor ersetzt werden. Die Führungsschiene sorgt dafür, dass das Tor beim Zurückfahren in seine Torkammer die notwendige Führung erhält und nicht z.B. in seiner Torkammer verkanntet. Auch drei Schwimmtanks (Ballasttanks) wurden beschädigt. Die Schwimmtanks (Ballasttanks) sind dazu da, das Tor zu leichtern damit es aufschwimmen kann, so dass es sich dann aus der Torbahn ausbauen und verholen lässt. Die Schiebetore der großen NOK-Schleusen sind Schwimmtore. Ein Schleusenschiebetor hat 16 voneinander unabhängige Ballasttanks.

Die Reparaturarbeiten sind unmittelbar nach dem Unfall angelaufen. Das Personal des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau wurde bei der Reparatur von den Kolleginnen und Kollegen des Nachbaramtes Brunsbüttel unterstützt. Ziel ist es in diesen Fällen immer, die ausgefallene große Schleusenkammer so schnell wie möglich der Schifffahrt wieder zur Verfügung zu stellen. Das beschädigte Tor wurde noch am 24.11. ausgebaut. Das gestaltete sich aufgrund der beschädigten Ballasttanks schwierig, war aber erfolgreich.

Am 25.11. wurde das ausgebaute Tor zum Reparaturkai des WSA (Kiel-Wik) verholt. Der Schaden ist nun, da das Tor aufgeschwommen ist, noch besser zu erkennen. Das Schiff hat mit seinem ungewöhnlichen, 8 Meter in die Tiefe gehenden Bug das Tor stark beschädigt, die beschädigten Ballasttanks sind gut zu erkennen (siehe Bilder, unten).

Ein Schleusenschiebetor fährt auf Schienen und sitzt wie ein Eisenbahnwagon auf zwei sogenannte Torunterwagen. Für den Einbau eines Schiebetores ist das genaue Positionieren der Torunterwagen erforderlich. Das wollten unsere Taucher am 25.11. erledigen und stellten aber fest, dass sich der vordere Torunterwagen (der sich dort befindet wo das Schiff das Schiebetor getroffen hat) auch mit Hilfe einer Seilwinde nicht bewegen ließ, ein Rad saß fest. Auch der Torunterwagen ist bei der Havarie beschädigt worden. Bevor das Reservetor eingebaut werden konnte musste er erst noch gegen einen neuwertigen Reserve-Torunterwagen getauscht werden. Diese Arbeiten wurden mit unserem Schwimmkran "Griep to" am 26.11. vormittags erfolgreich erledigt. Am Nachmittag wurde das Reservetor dann in die Torbahn 1 eingeschwommen und auf die zwei Torunterwagen abgesetzt. Nachdem alle Anschlüsse und Übergänge hergestellt waren wurde noch eine Probefahrt mit dem Schiebetor durchgeführt. Alles ok. Die Schleusenkammer wurde am 26.11.2014 um 18:30 der Schifffahrt wieder zur Verfügung gestellt.

Das havarierte Tor wurde im Dezember am Reparaturkai über und vor allem unter Wasser genau untersucht. Der Schaden ist so groß, dass eine Reparatur nur erfolgreich sein wird, wenn das Tor aus dem Wasser genommen wird. Es muss in ein Trockendock. Um die Überführungsreise vom Reparaturkai in das Dock bewältigen zu können, musste das Leck in den Ballasttanks zuvor noch mit Stahlplatten abgedichtet werden. Das Tor wurde dann am 05.01.2015 bei einer Kieler Werft eingedockt und die gröbsten Schäden wurden dort repariert. Am 05.02.2015 konnte das Tor wieder ausgedockt und von Schleppern zum Reparaturkai des WSA zurück gebracht werden. Dort werden nun die restlichen Havarieschäden repariert. Ziel ist, das Tor so schnell wie möglich wieder soweit herzustellen, dass es als Reservetor - im Falle eines Falles - wieder verwendet werden kann.