Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau

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Unfall

Am 08.01.2016 morgens ist die an der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke hängende Schwebefähre mit einem Seeschiff kollidiert. Der Fährschiffsführer wurde schwer aber nicht lebensgefährlich und der einzige Passagier der Fähre leicht verletzt.

Schadensbegutachung

Die Fähre wurde hin und her geschleudert als das Schiff sie traf. Zwei der 12 Seile der Aufhängung sind dabei abgerissen. Der Fährkörper ist verformt. Auch der Fähroberwagen ist augenscheinlich verbogen. Die Ausrüstung, die elektrischen und maschinenbaulichen Anlagen wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Es ist derzeit von einem Millionenschaden auszugehen.

Um den Schadensumfangs ermitteln zu können muss die Schwebefähre inspiziert werden (in den Bereichen Bautechnik, Maschinenbautechnik und elektronische Steuerung). Hierzu gehört auch eine Vermessung. Erst wenn der Schadensumfang bekannt ist können Aussagen zum Reparaturumfang erfolgen. Wenn eine Firma gefunden ist, die die Reparatur durchführen wird kann zum Zeitpunkt der voraussichtlichen Wiederinbetriebnahme der Fähre etwas gesagt werden; wir wollen die Schwebefähre so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen.

Am Anleger konnten die Inspektionsarbeiten nicht durchgeführt werden. Die Schwebefähre war hier nur von einer Seite erreichbar und auf der Brücke läuft der Zugverkehr. Der Fährkörper, die Aufhängung und der Oberwagen wurden deshalb demontiert und liegen seit dem 24.03. auf dem Bauhof des WSA Kiel-Holtenau in Rendsburg.

Auf dem Bauhof wird die Fähre von unseren Ingenieuren untersucht. Es wird ermittelt, was genau kaputt ist und wie es repariert werden soll.

Sicher ist, dass der Stahlbau repariert oder ersetzt werden kann. Die Steuerung und die Maschinentechnik wie auch die Fahrschiene für den Oberwagen auf der Brücke erfordern nach nunmehr rund 20 Jahren Betrieb eine Grundinstandsetzung. Einige dieser Arbeiten während der Beseitigung der Havarieschäden gleich mit auszuführen bietet sich an. Die Planungen und Abstimmungen diesbezüglich laufen.

Das WSA wird nach Abschluss der Inspektion die Entwürfe und Leistungsbeschreibungen aufstellen und alle Arbeiten an Fachfirmen vergeben. In Abstimmung mit den Firmen, die die Reparatur durchführen wird, kann zum Zeitpunkt der voraussichtlichen Wiederinbetriebnahme der Fähre etwas gesagt werden. „Schnellstmöglich“ - das wird unsere Vorgabe sein.

Kurze Beschreibung der Schwebefähre

Die Schwebefähre besteht aus dem Fährkörper (rund 37 Tonnen schwer), der Aufhängung (rund 350 kg je Seil) und dem Fähroberwagen (rund 41 Tonnen, er fährt elektrisch angetrieben auf Schienen oben auf der Hochbrücke). Die Aufhängung besteht aus 12 Stahlseilen, vier vertikale und acht schräge. Die vier vertikalen Seile sind Tragseile - an denen hängt der Fährkörper. Die anderen acht schrägen Seile dienen der Stabilität. Der auf eigenen Schienen fahrende Fähroberwagen besteht aus diversen Antriebsteilen und Fahrwerken sowie vor allem aus einem unter der Brücke hängenden, u-förmigen Rahmen. Der Rahmen kann an einer vorhandenen Schraubverbindung in zwei große Teile zerlegt werden.
Weitere technische Daten siehe: Daten zur Schwebefähre

Demontage der Schwebefähre

Letztmalig wurde die Schwebefähre routinemäßig im April 1998 demontiert.

Die Demontage wurde von uns geplant und von einer Fachfirma aus Schleswig-Holstein durchgeführt. Der Vertrag mit der Firma wurde am 02.03.2016 geschlossen. Am Montag den 14.03.2016 wurde die Baustelle eingerichtet und die Fähre für die Demontage vorbereitet.

Da die Schwebefähre aus mehreren Teilen wie Fährkörper, Aufhängung und Fähroberwagen besteht wurde die Demontage über mehrere Tage durchgeführt. Die Demontage des Fährkörpers begann am Dienstag den 15.03. um 08:30 Uhr und war noch am selben Tag erledigt. Für die Demontage des Fährkörpers wurde ein Ponton genutzt der auf eigenen Stelzen stehen kann. Er wurde direkt am Kanalufer vor dem Südanleger der Schwebefähre positioniert. Die Schwebefähre wurde dann auf der Hochbrücke mittels Seilzüge über den Ponton gezogen. Das war das selbe Verfahren mit dem die Schwebefähre auch bei der Havarie am 08.01. von der Mitte des Kanals zu ihrem jetzigen Liegeort an ihrem Anleger auf der Südseite verholt wurde.

Mit vier Kettenzügen die am unteren Ende der Aufhängung (an den Tragseilen) und am Fährkörper befestigt waren wurde die Schwebefähre dann um ein paar Zentimeter angehoben. Auf dem Ponton war eine Holzkonstruktion vorbereitet, auf der der Fährkörper dann mittels der Kettenzüge herabgelassen wurde. Zuvor wurden die übrigen acht Stahlseile gelöst. Der Fähroberwagen und die Aufhängung wurden an den Südanleger zurück gezogen. Der Ponton fuhr seine Stützen wieder hoch und ein Schlepper brachte den Ponton in den nur wenige hundert Meter von der Eisenbahnhochbrücke entfernt gelegenen Bauhafen des WSA.

An den folgenden Tagen wurden mit einem 130-Tonnen Kran die demontierbaren Einzelteile des Oberwagens und die Aufhängung abgebaut und mit LKW über Land zum Bauhof gefahren. Am 22.03. (Dienstag) wurde dann schlussendlich mit zwei 130-Tonnen Kränen der nicht weiter demontierbare Oberwagen an seiner Schraubverbindung gelöst und in zwei großen Teilen abgebaut und nach unten gebracht. Beide Teile wurden am 23.03. auf einen schwimmenden Ponton verladen und ebenfalls in den Bauhafen des WSA verholt.

Der Bahn- und Schiffsverkehr wurde während sämtlicher Arbeiten nicht behindert, die Bautätigkeiten wurden über unsere Verkehrslenkung in Brunsbüttel auf den Schiffsverkehr abgestimmt. Es kam auch zu keinen Einschränkungen im Zugverkehr.

Die Baustelle war abgesperrt.


Eisenbahnhochbrücke mit Schwebefähre.
Die Einzelteile.
15.03. Absetzen auf dem Ponton.
Lösen des Fährkörpers von den Tragseilen.
Klar zum Abtransport...
Die Presse dokumentiert das Ereignis.
Abtransport...
Auf dem NOK.
Entladen im Hafen des Bauhofes.
15.03.: Auf d. Bauhof (ehem. Saatsee-Werft).


Unfallursache

Zum Unfallhergang hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung BSU die Arbeit aufgenommen. Auch die Wasserschutzpolizei ermittelt. Die Schwebefähre war bis zum 18. Februar beschlagnahmt, sie durfte nur von den Ermittlungsbehörden betreten werden.

Verkehrsumleitungen und Ersatzverkehr

Der Fährbetrieb kann bis auf weiteres mit der kaputten Schwebefähre nicht mehr erfolgen. Umleitungen für den Verkehr stehen mit dem Fußgängertunnel Rendsburg, den zwei Fähren an der Fährstelle Schacht-Audorf/Nobiskrug und dem Fahrzeugtunnel Rendsburg zur Verfügung. Insbesondere Schüler der Gemeinde Osterrönfeld nutzen als Fußgänger und Radfahrer die Schwebefähre Rendsburg. Sie können wie alle anderen Fußgänger und Radfahrer den 1,5 km westlich von der Schwebefähre gelegenen Fußgängertunnel nutzen.

Der Fußgängertunnel kann über einen Aufzug oder über zwei Fahrtreppen genutzt werden. In den Zeiten, in denen besonders viele Menschen den Tunnel nutzen (morgens zwischen 06:45 und 08:15 Uhr und Mittags von 12:45 bis 14:15 Uhr) sorgen Servicekräfte (Sicherheitspersonal) für einen geordneten Verkehr. Wir haben unser Ersatzteillager erweitert damit wir bei einem unplanmäßigen Ausfall des Aufzugs oder der Fahrtreppe so schnell wie möglich den Schaden beheben können.

Ob während des Ausfalls der Schwebefähre ein Ersatzverkehr eingerichtet werden muss wird derzeit von einer Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern des WSA, der Gemeinde Osterrönfeld, der Stadt Rendsburg und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde geprüft. Welche Verkehrsströme gibt es die auf die Schwebefähre angewiesen waren und jetzt den Fußgängertunnel oder die bestehende Buslinie 116 eher nicht nutzen können und deshalb auf einen Ersatzverkehr angewiesen sind? Welche Art von Ersatzverkehr ist dann sinnvoll? Wann und wo soll er fahren?

Seit Ausfall der Schwebefähre bestand die Sorge, dass die Nutzer der Schwebefähre keine geeignete Ausweichmöglichkeit finden könnten. Aber es hat sich gezeigt, dass neben dem vorhandenen ÖPNV der Fußgängertunnel mit seinen Fahrtreppen und der Aufzugsanlage eine große Kapazität besitzt und den alltäglichen Verkehr gut bewältigen kann (siehe auch Statistik). Sollte jedoch auch der Fußgängertunnel einmal nicht zur Verfügung stehen und z.B. der Aufzug über längere Zeit ausfallen, wird es zwangsläufig zu Problemen kommen. Die unverzügliche Inbetriebnahme einer Ersatzfähre wäre dann unbedingt erforderlich. Zur Vorsorge hat das WSA vom 26.02. bis zum 24.03.2016 ein vierwöchiges Interessenbekundungsverfahren für die Einrichtung eines Fährbetriebs durchgeführt. Vier Firmen haben ihr Interesse bekundet, einen Fährersatzverkehr anbieten zu wollen.

Das WSA verfolgt das Ziel, dass bei Ausfall des Tunnels kurzfristig als Ersatz für den Tunnel eine Fähre fahren kann. Diese Fähre wurde mit der Kitzeberg bzw. der Falckenstein der Schlepp und Fährrederei Kiel (SFK) gefunden. Auf beiden Seiten des Kanals wurden Anleger eingerichtet - wo genau, siehe ... hier . Das ist Voraussetzung dafür, dass im Falle eines Falles kurzfristig eine Fähre den Betrieb aufnehmen kann. Die Fähre verursacht nur Kosten, wenn Sie angefordert wird. Die Fähre soll auch bei Großveranstaltungen wie NORLA ihren Betrieb aufnehmen.

Die Gemeinde Osterrönfeld nimmt die dargestellten Planungen der WSV mit Bedauern zur Kenntnis. Aus Sicht der Gemeinde entsprechen sie nicht den Erwartungen der Bevölkerung in der Region. Die Gemeinde Osterrönfeld hält die Verweisung auf Auto- und Fußgängertunnel (mit Vorsorge für den Fall einer Störung des Fahrstuhlbetriebes) für nicht angemessen und wünscht weiterhin die Einrichtung eines regelmäßigen Fährersatzverkehrs durch den Bund.

Bedeutung der Schwebefähre

Wir wissen um die Bedeutung der Schwebefähre. Die Schwebefähre wurde in den letzten Jahren täglich von durchschnittlich 350 Kfz und 1.700 Personen (Fußgänger und Radfahrer) genutzt (bis zum Umbau auf den 1-Mann-Betrieb und die Vergrößerung des Fahrradstellplatzes an Deck waren es 500 Kfz). Sie steht unter Denkmalschutz und ist ein Wahrzeichen der Stadt Rendsburg. Es existieren weltweit nur noch acht Schwebefähren. Der Antrag zur Aufnahme in das UNESCO Weltkulturerbe wurde gemeinsam vom Land Schleswig-Holstein und der Stadt Rendsburg bereits gestellt.

Unser Ziel ist es, die Schwebefähre so schnell wie möglich zu reparieren und instand zu setzen. Grundlage dafür ist der Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 1913. Dieser gilt unverändert und ist Grundlage für unser Handeln. Seitens des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wurde auch kein Rechtsgutachten bzw. kein Prüfauftrag zu einer grundsätzlichen Klärung des Betriebs der Schwebefähre beauftragt.