Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau

Hier gelangen Sie direkt zum Inhalt der Seite.

 

Hauptnavigation:


Inhalt: Was haben wir bisher gemacht?

Wir haben in der 8. Kalenderwoche eine Firma beauftragt, das zerstörte Schleusenschiebetor zu entfernen. Es handelt es sich um die Firma Stahlbau-Nobiskrug die zum Werftbetrieb Nobiskrug gehört, eine Rendsburger Firma, die auch über Dockungsmöglichkeiten in Kiel verfügt. Die Baumaßnahme "Entfernen des Tores aus seiner Torlaufbahn" ist am 06.03. gestartet.

1. Vorbereitung (Einrichten der Baustelle) und Sicherung der Baustelle

Die Situation unter Wasser stellte sich nach der Havarie unübersichtlich dar. Unter Einsatz eines "kleineren" Schwimmkrans (TK9) und eines Pontons wurden in der 9. Kalenderwoche verbogene und überstehende Stahlteile vom Tor abgebaut / abgebrandt und auf den Ponton gelegt. Taucher haben im Unterwasserbereich gearbeitet. 35 Tonnen Stahl wurden entfernt. Der Stahlschrott wurde im Kieler Ostuferhafen an Land gegeben. Bis zum 06.03. wurde die Baustelle zum Zersägen des Schiebetores vorbereitet.


27.02.: Schleuse Kiel-Holtenau, Position Schwimmkran
27.02.: Kran und Ponton
27.02.: Trennarbeiten
27.02.: Erste Teile vom Tor werden verladen
01.03.: Das von losen Stahlteilen berfreite Tor
Das Schiebetor am 01.03.2018
Seit dem 01.03. sind Taucher im Einsatz
Taucher auf den Weg, 15 Meter Wassertiefe.


2. Zersägen des Schiebetors (vom 09.03. bis zum 12.03.18)

Das Schleusenschiebetor sollte eigentlich mit einem Diamantseil zerschnitten werden. Am Morgen des 09.03.2018 (Freitag) konnte das Diamantseil unter dem Tor hindurch gefädelt werden. In 15 Metern Wassertiefe hatten einen Tag zuvor Taucher noch vorbereitend verschiedene Arbeiten z.B. mit Druckluft-Kettensägen ausgeführt. Massive Dichtungsbalken aus Hartholz wurden zertrennt und es wurde zwischen Tor, Drempel und Schleusenboden Platz für das Seil geschaffen. Sand und Schlick sowie schlechte Sicht haben die Arbeiten erschwert.

Das Diamantseil war rund 60 Meter lang und 9,8 Millimeter (rund 1 cm) dick. Über Umlenkrollen wurde es wie ein Lasso um den Torkörper geführt. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 90 km/h sollte das Seil das Tor in zwei Hälften zersägen, von unten nach oben. Auch Hartholzbalken die am Tor befestigt waren mussten von der Säge durchtrennt werden. Die Säge wurde deshalb vor Ort fortlaufend an die Gegebenheiten angepasst. Es wurde auch über das Wochenende (10./11.03.) gesägt.

Die Sägearbeiten gestalteten sich schwierig. Und so wurde für den Sägevorgang mehr Zeit als geplant benötigt. Das Seil lief diagonal in das Tor hinein. Auf der einen Seite (der Zug-Seite) hatte es sich rund 4 bis 5 Meter in den Tor "gefressen". Auf der anderen Seite blieb es nahezu im Bereich des Boden.

Das Tragwerk des Tors gleicht dem eines Fachwerks. Das Diamentseil verklemmte sich immer wieder in den Stäben die es durchsägen sollte. Das so eingeklemmte Diamantseil musste aufwändig von Tauchern gelöst werden. Am 12.03. (Montag) wurde dann entschieden, das Sägen mit Diamantseil nicht weiter zu verfolgen. Ein kontinuierlicher Sägeerfolg hatte sich mit diesem Verfahren über die Tage nicht eingestellt. Am 13.03. wurde auf das klassische Brennschschneiden umgerüstet und die Baustelle entsprechend eingerichtet.

Geplant: Zersägen mit einer Seilsäge
06.03.: Stahlträger werden platziert und Ver-
bindugen hergestellt.
06.03.: Die 2 Träger
08.03.: Gerüst für den Antrieb der Seilsäge
Ein Teil des Antriebs
07.03.: Diamantseil (neu und gebraucht)
08.03.: Taucher im Einsatz, Seil einfädeln
Druckluft-Kettensäge
Dichtungsbalken, zu zersägen (Archivbild)
09.03.2018: Aufgebaute Seilsäge
09.03.18: Seilsäge
09.03.18: Seilsäge im Betrieb
09.03.18: Seilführung
09.03.18: Umlenkrolle und Diamantseil
Hubeinrichtung f. d. Zug
Hydraulikantrieb
09.03.18: Hydraulikaggregat
Einstellen der Diamantseilsäge.
Die Säge wird den Gegebenheiten anpasst.
Die Wirkung der Säge wird optimiert (10.3.)
Taucher im Einsatz wenn das Seil klemmt.


3. Zerschneiden des Tores mit Schneidbrennern

Das Diamantseilsägeverfahren hatte nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Das Schleusenschiebetor wurde ab dem 13.03.18 für das Durchtrennen im klassischen Brennscheideverfahren in zwei Teile vorbereitet und ab dem 15.03. dann von Taucher zerschnitten. Sorgfalt und Sicherheit waren sehr wichtig. Beim Brennschneiden freiwerdende Gase sollten sich nicht innerhalb des Tors sammeln können, sondern nach oben frei entweichen. Deshalb wurde von oben nach unten gearbeitet. Die Schneidearbeiten haben die letzte Hälfte der 11. KW und die 12. KW in Anspruch genommen. Auch am Wochenende wurde gearbeitet. Mitte der 12. KW war die Durchtrennung weitgehend abgeschlossen.

Die verwendeten Schneidbrenner bestehen aus einer Zange, in die eine Elektrode eingespannt ist. Die Elektrode ähnelt einem Röhrchen. Durch das Röhrchen wird mit hohem Druck Sauerstoff geblasen (> 6 bar). An die Elektrode wird bei niedriger Spannung eine hohe Stromstärke angelegt, so dass der Kontakt mit Metall wie beim Schweißen einen Lichtbogen entstehen lässt. Der zugeführte Sauerstoff ermöglicht es, dass das Metall bei Termperaturen von deutlich über 1.000 Grad verbrennt. Die entstehende Schlacke wird vom Sauerstoff weggeblasen. So werden die Metallteile unter Wasser zertrennt.

Die Arbeiten werden/wurden von insgesamt 10 bis 15 Personen einer Hamburger Taucherfima und einer Taucherfirma aus Schleswig-Holstein durchgeführt. Die Koordination der Taucher hat unser Hauptauftragnehmer, ein Rendsburger Stahlbau- und Werftbetrieb übernommen. Die Abstimmung der Arbeiten und der Firmen untereinander war sehr wichtig.


Schematische Darst., Schneidbrennverfahren
Seilsäge standby
Gasflaschen, Vorboten
Sauerstoff
17.03.: Starker Wind erschwert die Arbeiten
17.03.: Binnenseite, Strömung durch Wellen
Wasserstände
Brennschneider (Zange mit Elektrode)
Elektrode
Das Tor am 19.03.2018, Taucherarbeiten...


4. Vorbereitung Ausbau des Tors

Ziel ist, das stark beschädigte Schiebetor schnell und sicher aus seiner Torlaufbahn zu entfernen um ein bereitstehendes Reservetor einbauen und die Schleusenkammer schnellstmöglich für die Schifffahrt wieder in Betrieb nehmen zu können. Die Prozedur eines Torwechsels dauert bei unbeschädigten Toren in der Regel 2 bis 3 Tage, siehe - hier...

Das Schiebetor wurde bei der Havarie jedoch so stark beschädigt, dass wir es mit unseren Technischen Mitteln nicht mehr ausbauen können. Die Statik des Tors und auch die zerstörte Betriebstechnik im Tor (Rohsysteme, Ballasttanks) lassen das nicht mehr zu.

Deshalb soll das Tor nun mit einem Schwimmkran aus seiner Torlaufbahn gehoben werden. Für den Schwimmkraneinsatz musste das Tor zuvor aufwendig vorbereitet werden.

In der 12. und 13. Kalenderwoche wurde das Tor für den Schwimmkraneinsatz vorbereitet. An schweren Hebeketten soll das Tor am Donnestag, 29.03.2018 (Nordhälfte) und am Karfreitag, 30.03.2018 (Südhälfte) aus seiner Torbahn gehoben werden. Damit der Schwimmkran die Torhälften sicher anheben kann, waren stabile Bereiche am havarierten Schiebetor zu ermitteln. Diese Bereiche wurden unter den Ballasttanks gefunden. Die Ballasttanks bestehen aus einem zusammenhängenden, kastenförmigen System und bilden ein ausgesteiftes Tragwerk, das die notwendige Stabilität besitzt.

Das unbeschädigte Tor
Die 16 Ballasttanks bilden mit ihren
Aussteifungenein ein kastenförmiges und
und besonders stabiles Tragwerk.
Schritt 1:
2 x 4 Löcher in jede Torhälfte schneiden,
dann 4 U-Pofile als Führungshilfe für
die Ketten durch die Löcher schieben
Schritt 2:
Je Torhälfte 2 x 2 Hebeketten
mit Seilwinde auf dem U-Profil
durch das Tor ziehen
Schritt 3:
Hebeketten mit
Schwimmkranhaken
verbinden
Schritt 4:
Torhälfte an den Ketten aus der
Torbahn heraus heben und auf
einen Ponton setzen


Unter den Ballasttanks wurden insgesamt 16 Öffnungen seitlich in das Tor geschnitten (je Schiebetorhälfte 4 Löcher auf jeder Seite). Am Freitag, 23.03. und über das Wochenende wurden je Torhälfte 4 schwere Hebeketten nacheinander unter den Ballasttanks hindurch gezogen. Dieses "Durchziehen" geschah mit dem Kran TK9 und einer Seilwinde an Bord des Krans. Damit die Ketten sich beim Ziehen durch das Tor nicht im Tor verhakten, wurden zuvor in jedes Lochpaar Führungsschienen in Form von Stahlträgern (U-Profile) eingebaut.

Jede Kette ist rund 28 m lang und 3,5 Tonnen schwer. Eine Kette kann ein Gewicht von mehreren hundert Tonnen tragen. Die U-Profile sind rund 15 Meter lang und 40 cm breit. Auch die Schäkel, mit denen die Ketten an den Kranhaken des Schwimmkrans gehängt werden sollen, sind vor Ort. Ein Schäkel wiegt 300 kg.


20.03.18: Verladung U-Profile, Tiessenkai
Die U-Profile, hinten links: Hebeketten
Ketten, je 28 m lang u. 3,5 Tonnen schwer
Die Schäkel, 300 kg je Stück schwer.
21.03.2018: Anschneiden der Profile
Angespitzte Profile (kein Verkanten im Tor).
21.03.2018: Über das Tor heben.
Unter Wasser durch die Löcher schieben
23.03.2018: Hebekette am Kran
Einfädeln Hebekette
23.03.: Unter Wasser, Kette auf U-Profil
26.03.: Hubkette


Die für das Rausheben der beiden Torhälften notwendigen Vorarbeiten konnten am Mittwoch, den 28.03.18 abgeschlossen werden. Das letzte Stahlteil - die Platte eines Ballasttanks, das die beiden Torhälften aus Gründen einer so lange wie möglich noch zu erhaltenden Torstabilität verband, wurde an diesem Tag von Tauchern mit Brennschneidern durchtrennt. Die Gerüste wurden abgebaut und die südliche, von der nördlichen nun getrennte Torhälfte wurde mit dem Schleusenantrieb einige Meter zurück gefahren, um Platz zu schaffen damit sich die Torhälften nicht gegenseitig behaken wenn sie nacheinander aus ihrer Torlaufbahn herausgehoben werden.


28.03.: Abbau Gerüst
28.03.: Abbau Gerüst
28.03.: TK9 hat in die Kammer verholt
28.03.: Ballasttanks soweit möglich lenzen
28.03.: Vorbereiten Torantrieb ...
... Zurückziehen der südlichen Torhälfte
Torhälften voneinander trennen
Die voneinander getrennten Torhälften
28.03.2018 Torhälften zum Ausbau bereit


5. Ausbau des Tors

Am Donnerstag, den 29.03.2018 hat Schwimmkran Matador 3 zuerst die nördlliche und dann am Freitag, den 30.03.2018 die südliche Torhälfte des havarierten Schiebetros aus der Torlaufbahn heraus gehoben. Das in zwei Hälften zerteilte Schiebetor war zuvor mit Ketten zum Herausheben vorbereitet worden, siehe Was haben wir bisher gemacht?

Der Schwimmkran Matador 3 war am 26.03. gegen 16:30 Uhr in Rotterdamm gestartet und in Begleitung zweier Schlepper am 29.03.18 kurz nach Mitternacht in Kiel angekommen. Am Vormittag des 29.03. hat er seinen Kran im Binnenhafen vorbereiten. Um 11 Uhr wurde der Kran durch die in Betrieb befindliche große Nordkammer geschleust. Er hat dann von außen (Kieler Förde) das havarierte Schleusentor angesteuert.

29.03.18, nachmittags
29.03.18
29.03.18
29.03.18
29.03.18
29.03.18
29.03.18


In der 12. und 13. Kalenderwoche wurde das Schleusenschiebetor für den Ausbau vorbereitet, siehe auch Konzept . Das Herausheben wurde in 7 Schritten durchgeführt und wurde am ersten Tag per Film festgehalten.

Das havarierte und in 2 Hälften getrennte Tor
Das Tor wurde in der 12. und 13. KW vorbereitet.
Es wurde mit Seilsäge und Schneidbrennern zerteilt.
Schwere Ketten wurden durch das Tor gezogen.
Schritt 1: Do. 29.03.18, mittags
Schwimmkran Matador ging in Position und hielt
sein Geschirr über dem nördlichen Torteil. Mit Kran
TK9 wurden die Ketten mit dem Kran verbunden.
Schritt 2: Do. 29.03.18, nachmittags
Die Torhälfte wurde etwas angehoben. Die Ballast-
tanks des Schiebetors wurden dann geleert. Die
Torhälfte wurde rausgehoben. Der Kran setze zurück.
Schritt 3: Do. 29.03.18, abends
Schlepper positionierten einen Ponton beim Kran.
Der Schwimmkran setzte das Tor auf den Ponton ab.
Die Hebeketten des Tors wurden vom Kran gelöst.
Schritt 4: 29.03.18, späterer Abend
Die Schlepper brachten den Ponton zur Werft German
Yards. Dort hat der Portalkran der Werft den
Ponton entladen. Der Kran fuhr zur südlichen Torhälfte.
Schritt 5: 30.03.18, morgens
Schwimmkran Matador ging in Position und hielt
sein Geschirr über dem südlichen Torteil. Mit Kran
TK9 wurden die Ketten mit dem Haken verbunden.
Schritt 6: 30.03.18, vormittags/mittags
Die Torhälfte wurdel etwas angehoben. Die Ballast-
tanks des Schiebetors wurden geleert. Die Torhälfte
wurde rausgehoben. Der Kran setzte zurück.
Schritt 7: 30.03.18, nachmittags
Schlepper positionierten einen Ponton beim Kran. Der
Schwimmkran setzte das Tor auf den Ponton ab.
Die Hebeketten des Tors wurden vom Kran gelöst.


Der Ponton mit der südlichen Torhälfte ist am Freitag, 30.04.18 nachmittags ebenfalls zur German Naval Yards gefahren und hat dort festgemacht. Am Dienstagmorgen (03.04.18) wurde der Ponton dann mit dem Portalkran der Werft dort enladen; die südliche Torhälfte wurde in das Dock 8a gehoben. In dem Dock stehen nun beide Torhälften, sie sollen im Dock gereinigt werden. Danach kann eine ingenieurfachliche Vermessung und Bewertung stattfinden. Dann kann etwas dazu gesagt werden, ob eine Reparatur des Schleusenschiebetors noch möglich ist oder ob es durch einen Neubau ersetzt werden muss.

Weitere Bilder vom Schiebetorausbau:

28.03.18, 23:50 Uhr, NOK bei Sehestedt
29.03.18 vormittag: Geschirr vorbereiten
Kranschäkel, Hebegeschirr
29.03.
Zum Einsatz klar
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.
29.03.: nördliche Torbahn ist frei
29.03.
29.03.: 1. Torteil steht auf dem Ponton
29.03.: Jetzt kann der ...
... erste Torunterwagen rausrausgeholt werden
30.03.18, vormittags: Ausbau südlicher Torteil
30.03.
30.03.: das 2. Torteil
30.03., 11:30 - die Torlaufbahn ist frei
31.03.18, Rückfahrt nach Rotterdam
Schwimmkran "Matador 3"
Bereit: Reservetor und zwei Torunterwagen